Bin jetzt seit 5 Tagen hier und bisher haben wir die Weiterreise Tag für Tag verschoben. Die Stadt ist einfach toll. Klar, auch hier das asiatische Gewühl, aber auf eine Art, die einen unaufdringlich in ihren Bann zieht.
Am interessantesten finde ich bisher die Märkte. Es gibt den Saturday Night Market, den Sunday Night Market, den Walking Street Market, den Blumenmarkt und einige feste Märkte. Dieses Treiben entspringt der Tradition von Chiang Mai als Handelsplatz und wirkt überhaupt nicht gekünstelt oder wie eine Touristenfalle. Die Nichtasiaten sind klar in der Minderheit.
Da ich ohnehin am liebsten auf Märkten, im Freien, einkaufe ist das toll. Und Handeln macht Spaß. Werde wohl ein Paket mit den erstandenen Dingen nach D schicken, denn alles Erfeilschte passt nicht in den Rucksack. Mal sehen, wie das wohl geht.
Also die Märkte....
.... nicht vergleichbar mit den in Europa bekannten.
Am ungewöhnlichsten finde ich bisher den Waworot, auf dem man quasi keine Europäer antrifft. Hier kaufen die Thais. Der Waworot ist wie ein riesiger Bienenstock, aus dem geringstmöglichen Platz wird das Optimum an Verkaufsfläche herausgeholt. Man stelle sich ein riesiges mehrstöckiges Gewerbehaus mit großen Hallen vor, die in kleine Waben aufgeteilt sind. Diese werden an jeweils einzelne Verkäufer vermietet, verkauft, weiß ich nicht. Der Kunde geht dann durch schmale Gänge, in denen es grundsätzlich schwerfällt, aneinander vorbei zu kommen. Zusätzlich besteht das Gebäude aus Halbgeschossen, sodass man ständig über halbe Treppen muß, um in andere Bereiche zu kommen. Die Qualität der Ware ist wohl auf das monatliche Durchschnittseinkommen eines Thais, das bei 150 -250 € liegen soll, abgestimmt (lt Spiegel-Online). Das Ambiente bzw dessen fehlen wirkte auf mich zunächst befremdlich, aber die Atmosphäre war gut, die Leute unterhielten sich (und es störte mich nicht, dass ich immer wieder warten mußte oder es endlos langsam voran ging!!! Das Tempo passt einfach!), es war lebendig. Und das alles in einem Lagerhausambiente, das nach westlichen Vorstellungen als absolut abrissreif bezeichnet werden kann, beleuchtet von wenigen Neonröhren und dem ausreichend vorhandenen Licht der Stände. Dieses dann noch dupliziert, denn es gibt zwei dieser Lagerhäuser, die sich gegenüber liegen. Dazwischen und drumherum Stände ohne Ende. Irre.
Und das Grundprinzip der freien Händler bleibt gleich, ebenso wie bei allen 'fliegenden Märkten', die zu bestimmten Zeiten an unterschiedlichen Orten auf den Straßen stattfinden. Je nach der angesprochenen Käuferschicht wird allein das Umfeld, die Aufmachung der 'Läden', die Ware, qualitativ hochwertiger.
Ein wesentliches Element bei allen Märten sind die Garküchen, denn die Thailänder essen als Alternative zum Restaurant viel auf der Straße. Am besten gefallen mir die Straßenmärkte. Dort wird sehr viel Kunsthandwerk, Schmuck, Textilien usw aus den unterschiedlichsten Materialien angeboten, gute Sachen. Aber auch Müll (Plastik). Und natürlich jede Menge Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme, sei es an Ständen 'to go', an mobilen Garküchen, die am Straßenrand oder in Nebenstraßen, Hauseingängen oder Nebengebäude von Nebenstraßen Sitzmöglichkeiten anbieten. Und im Gewimmel sitzen seelenruhig (meist blinde, wirklich!) Musiker oder laufen allein ganz langsam singend die Straße hinunter und machen teilweise wunderschöne, teilweise aber auch schräge Musik. Toll.
Neben den Musikern begegnen mir beim rumlaufen immer wieder total winzige alte Frauen (die gehen mir in der Regel bis zum Brustansatz, mit Hut) aus den nördlicheren Regionen, die selbstgefertigen Schmuck und Spielzeug aus Holz - besonders beliebt ist eine Holzratsche, die einen Vogelschrei nachahmt, der leider auf den Märkten öfter zu hören ist als in der Natur - anbieten. Ganz lieb.
Manche Märkte erstrecken sich auch in die Höfe der Klöster, die ohnehin fast alle immer offen sind und gerade nachts, wenn wenig bis nichts los ist, wundervolle Momente bereiten können. Die Mönche sind nicht mit den uns bekannten Kapuzenträgern zu vergleichen. Bestimmt haben alle ein Smartphone, das iPhone 6 wurde jedenfalls gesichtet und sobald sie allein unterwegs sind, wird gedaddelt. Aber das habe ich nie gesehen, wenn sie in Begleitung anderer Mönche unterwegs sind. Frauen dürfen Mönche übrigens nicht ansprechen, aber demütig und mit gesenktem Kopf antworten. Tststs.
Und dann gibt es in der Old City unzählige Straßen und Gassen, in denen man immer wieder, mal geballt, mal entzerrt auf Restaurants, Bars, Kneipen und Cafés trifft.
Am Ende der Marktzeit wird in einer Geschwindigkeit abgebaut, die mich immer wieder in Erstaunen versetzt. An Kreuzungen, die wichtig für den Autoverkehr sind (spielt keine Rolle, wenn Markt ist, ist Markt), werden die Stände in gefühlt einer Zigarettenlänge abgebaut und 20 Sekunden später rollt die Blechlawine wieder.
Natürlich gibt es auch die modernen Einkaufszentren, und ich habe mir hier auch eins angesehen, aber die sind ähnlich wie bei uns und im Vergleich zu den Märkten leer. Die sprechen wohl eine andere Bevölkerungsschicht an, die noch in der Minderheit ist (?).
Auf dies angenehme Art vergeht die Zeit. Wohlfühlen. Entspannen. Urlaub.
Daher das bisherige verschieben der Weiterreise. Und es sind erst drei Wochen vorbei.
Chiang Mai, Anfang Januar 2014.