Nach Natur und Kultur fahren wir nach Chiang Mai, der zweitgrößten Stadt des Landes, im Norden gelegen. Denn es ist Silvester und als Großstädter feiere ich auch gern den Jahreswechsel mit großem Knall. Der sollte auch kommen.
Doch zuvor erlebte ich die krasseste Busfahrt meines Lebens. Der Bus sollte rd. 7 Stunden für die Strecke benötigen (Ich erwähne die Entfernungen übrigens nicht, da sie für die notwendige Zeit zumindest auf dem Landweg keine Rolle spielt). Er war sogar 'schneller', in nur 6,5 Stunden fegte er durch das Land. Aber kann sich jemand vorstellen, sechseinhalb Stunden mit 'nem BVG-Bus zu fahren? So ungefähr war es nämlich, ständige Stops, Leute rein, andere raus, zwischendurch 15 Minuten Pause an einem Busbahnhof, wieder 2, 3 km weiter bis zur nächsten Haltestelle.
Aber ohne Klischees bedienen zu wollen oder zu übertreiben: das war nur die eine Hälfte des Adventures. Hinzu kam der Zustand des Busses. Der kam schon recht voll an, bestimmt aus Bangkok, und war kurz danach übervoll, stehende Menschen im Oberdeck, ich eingepfercht in einen Sitz, der mir nur 5 cm weniger Platz ließ als ich für meine Beine benötigt hätte. Zum Glück - ich bin hin- und hergerissen, bezeichne es rückblickend aber doch so - fand ich einen neuen Platz, als an einer größeren Kreuzung (so fühlte es sich für mich an) mal etwas mehr Menschen aus- als einstiegen. Dieser jedoch hatte den Nachteil, dass sich die Rückenlehne nicht arretieren ließ und ich die 'Fahrt' auf einem Liegestuhl verbrachte. Dazu muß erwähnt werden, dass die vor- und drittletze Sitzreihe des Oberdecks fehlten. Dort stapelte die Busbegleiterin Gepäck und Thais.
An dieser Stelle nochmals DANKE an den vermutlich asiatischen Hersteller des Nackenstützkissen.
Wir kamen schließlich gegen fünf in Chang Mai an. Christian, der die Fahrt über irgendwo im Bus war, verließ diesen recht bleich, völlig unterzuckert und völlig konsterniert. Schade, daß ich kein Bild von dem Bus gemacht habe. Aber beim besteigen hatte ich keinen Argwohn und am Ende wollte ich nur noch weg.
Während wir an einem Imbiss (die sind in jedem Busbahnhof auf irgendeiner Seite) kalte Coke tranken, suchten wir uns 'ne Unterkunft und fanden 'zufällig' ein fantastisches Zimmer in einer Hotelanlage, der 'River View Lodge', unterm Dach mit ca 20 qm, Blick auf den Ping River und den Sonnenaufgang über Palmen und dem Fluß, toller Gartenanlage, Pool und total liebevoll von der thailändischen Besitzerin gestaltet, die auch all ihre Kleidung, den Schmuck usw selbst entwirft. Die Lodge ist zentral in der Stadt gelegen, knapp einen Kilometer von der 'Old Town' entfernt, dem geografischen Zentrum der Stadt.
Das Land beschenkt mich erneut mit Erfahrungen der Gegensätzlichkeit.
Und es ist Silvester!! Also auf zur nächstgelegenen zwingend notwendigen Location, einem Restaurant, von denen wir während der Fahrt zur Lodge gleich am anderen Flußufer einige sahen. Obwohl es Silvester, halb zehn und die Stadt voll ist, bekommen wir im dritten oder vierten Restaurant einen Tisch, auf der Terrasse am Fluss, angenehm, modern. Das Essen kommt zwar erst nach 'ner guten Stunde, aber der Wein ist lecker, die Zigaretten auf einem kleinen Holzsteg direkt am Wasser mit Blick auf die endlose wunderschöne Abfolge der aufsteigenden Lampions schmecken super und das Wetter ist toll (Nachts 18-19 Grad).
Irgendwann verabschieden wir uns vom jungen, sehr gut englisch sprechenden und sich unzählige Male entschuldigenden 'Manager' und gehen zur naheliegenden Brücke, um uns das Feuerwerk, von dem wir im Restaurant erfuhren, anzusehen.
Und das war wirklich der Hammer! Es wurde gar nicht viel individuell geballert, aber an bestimmten Orten wurden für rd 8 Minuten Raketen mit einer Wucht abgeschossen, daß es bei jedem Abschuss im Körper widerhallte.
Christian und icke in Chiang Mai, auf der Brücke über den Ping River im Menschengewimmel, Bier und Kamera in der Hand, staunend, grinsend und glücklich.
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Wie überall hier im Land leerte sich der Ort des Geschehens nach Abschluss der Aktivität dann sehr schnell und ca 20 Minuten nach Mitternacht lief bereits wieder der Verkehr und auch wir machten uns auf den Weg. Richtung Old City. Mal gucken was so abgeht. Nach ungefähr 200 m, im Verkehrsgewühl (immer und überall), ist die Straße abgesperrt und die Blechlawine teilt sich nach rechts und links. Dahinter ist Markt! Der 'walking market', ein Nachtmarkt, für ein paar Stunden, der in der Stadt an unterschiedlichen Orten stattfindet. Also rein ins Gewühl. Und einen halben Kilometer Stand an Stand mit Garküchen, mobilen Restaurants und Ständen mit eigentlich allem, was verkauft werden kann, überwiegend Kunst, Kunstgegenständen, Schmuck, Leder....puh, irgendwann sind es zu viele Einzeleindrücke, um sie jetzt zu beschreiben. Ich gehe glücklich lächelnd zwischen den Ständen dahin, Silvester um was weiß ich, und es ist gut.
Wir trinken noch ein, zwei Bier beim laufen - die immer zur Straße hin offenen Bars sind alle voll, kein Platz zu bekommen - und fallen schließlich ins Bett.
Neujahr 2015 in Chiang Mai.