Samstag, 3. Januar 2015

Into the nature

Zunächst war ich hin- und hergerissen ob der Erfahrung im Khao Yai, aber schließlich stand der Entschluß: wir machen eine der zahlreich angebotenen Touren in die Umgebung von Chiang Mai. Der ausgewählte Veranstalter ist ein Familienbetrieb und wir erhoffen uns weniger Massenabfertigung und mehr Einblick in das tatsächliche Leben hier. Geboten wird der Besuch einer Orchideen- und Schmetterlingsfarm, eines Elefantencamps, Trekking durch den Dschungel zu einem Wasserfall, den Besuch eines thailändischen Dorfes sowie Bamboorafting.

Am Morgen werden wir in der Lodge abgeholt und los gehts. Zunächst die Fahrt zu den Orchideen und Schmetterlingen. Die muss wohl jeder Anbieter abklappern, entsprechend wars - Masse,  geschenkt. Allerdings wurden die vielfältigen Einkaufs- und sonstigen Möglichkeiten vom Guide nicht einmal erwähnt. Ich hatte den Eindruck eines Pflichtprogramms, auch für den Veranstalter. Danach Fahrt zum Elefantencamp, wie üblich im offenen Pickup in einer Gruppe von acht Personen, Deutsche, Engländer und Spanier. Es gibt viele Camps in der Gegend. Dort können einerseits Elefanten, die nicht mehr zum regulären Arbeitseinsatz taugen (die Elefanten werden in der Land- und Holzwirtschaft als Packtiere genutzt, da die Gegend motorisiert oftmals nur schwer oder garnicht erreichbar ist), als Touristengefährt ihr Leben verbringen, andererseits werden auch Jungtiere für den Arbeitseinsatz geschult (nicht dressiert, die von uns besuchte Farm lässt keine Kunststücke vorführen). Wie ich rückblickend finde, ein akzeptabler Kompromiss. Und natürlich habe auch ich mich von einem Elefanten herumtragen lassen. Und es war schön. Nebenbei haben wir einige interessante Infos über die Tiere erhalten.

Schließlich fahren wir weiter, höher in die Berge und machen eine schöne Wanderung abseits der Menschenmassen zu einem kleinen Wasserfall, den wir ganz für uns allein haben. Der Guide schlug unterwegs eine Papaya vom Baum, die wir inmitten der Natur mit fantastischer Optik verspeisten. Toll.

Der Wald ist interessant. Einerseits sieht er jetzt im Winter aus der Entfernung durch die vielen unterschiedlichen Farben ein wenig wie ein Wald in D aus. Aber bei näherem hingucken sind die
Bäume ganz anders, teilweise riesige Teile, Teakholz durchsetzt mit Bambus, Bananenstauden, Papayas usw und alles wuchert wild und groß. Beeindruckend.

Nach einer weiteren Fahrt mit dem Pickup - inzwischen haben unsere Haut und Kleidung zunehmend den Farbton der Erde über die wir fahren angenommen - kommen wir zu einer Ansiedlung, in der Thais noch ursprünglich in Bambushütten leben. Natürlich darf aber auch hier der allgegenwärtige Motorroller sowie die Sattelitenschüssel nicht fehlen. Der Besuch war aber gefühlt völlig natürlich, keine Aufführungen der 'traditionellen' Lebensweise, keiner kümmerte sich um uns und unser Guide erklärte auf Nachfragen ein wenig. Ich fühlte mich jedenfalls nicht als Eindringling. Und die zufrieden lächelnden und spielenden Kinder, die sich durch uns nicht stören lassen aber auch nicht bettelten zeigten mir, dass mein Verständnis von Armut wie so viele Vorstellungen zu revidieren ist.

Beendet haben wir die Tour an einem Fluß, auf dem wir mit Bambusflößen ein Stück entlang gefahren sind. Der Fluß hat wie alle Wasserläufe jetzt im Winter Niedrigwasser und die zwei Floßlenker hatten zu tun, um uns vorwärts zu bringen. Inzwischen ging die Sonne unter, wir schipperten in die Dunkelheit, die Geräusche der Natur erwachten und es hätte ein vollkommenes Erlebnis sein können, wenn die mitfahrenden Engländer nicht in einer Tour gequatscht hätten. Daher Punktabzug, aber dennoch sehr schön.

Es geht also auch anders, so kann eine Tour sein, bei allen Kompromissen, die bei Natur kontra Tourismus wohl gemacht werden müssen. Exakt zwölf Stunden nach der Abfahrt wurden wir wieder an der Lodge abgesetzt. Ein toller Tag.