Samstag, 24. Januar 2015

Inselhopping, die Fünfte

Es geht weiter nach Ko Yao Yai, einer meist nur schmalen aber 45 km langen Insel zwischen Pukhet, Phi Phi und Lanta. Dort ist es ruhiger, unerschlossener. Außerdem muslimisch, also Alkohol nur in den Ressorts. Mal wieder morgens in den MiniVan, der uns nach Krabi bringen soll, von wo aus es mit dem Speedboat weitergeht.
Um es kurz zu machen: für die ca 60 km nach Krabi benötigt der Van vier Stunden, auch weil kurz nach Beginn der Fahrt zwei Fähren genommen werden müssen und das anstehen ewig dauert. Als wir endlich am Pier in Krabi ankommen, ist das Speedboat weg. Da der Fahrer anscheinend mit der Situation überfordert war, erklärt er, er müsse nur schnell parken ... - ... und gibt Gas. Also auch weg. Christian schnappt sich das Handy und ruft im Resort, in dem wir die Tickets gekauft haben, an. Kurze Zeit später kommt der Fahrer wieder, organisiert eine Überfahrt mit dem Longtail und gibt uns 'ne Rückerstattung des zuviel gezahlten Ticketpreises. Das ganze ohne ein Wort. Es gibt sie also auch, die thailändischen Arschlöcher.

Kurz darauf geht's los, im völlig überfüllten Longtail, dessen Captain kaum die Augen offen halten kann. Da das Boot so tief im Wasser liegt, zieht es vorn auf beiden Seiten Wasser und die Bilgepumpe gibt alles, wenn ihr Ausland mal über der Wasseroberfläche ist. Aber die Thais wissen ja, was sie tun und das Meer ist spiegelglatt. Also kann ich mich auf die absolut traumhafte Landschaft, die mir bereits während der Busfahrt aufgefallen ist, konzentrieren.

Und die ist wirklich der Wahnsinn. Im Meer wie auf dem Land liegen wie hingeworfen jede Menge Kalksteinformationen, teils wie Berge, teils wie einzelne riesige Gesteinsbrocken. Dadurch ist die Landschaft stark zerklüftet, neben glatten Landlächen steigt abrupt eine Steilwand von 50 oder mehr Metern an. Die im Wasser liegenden Brocken sind Inseln, klar, von klein bis ganz klein, immer überwuchert von Grün. Zwischen denen fahren wir dahin, ne knappe Stunde. Toll.

Am Pier in Ko Yao Yai angekommen wartet schon der Pickup, pickt uns up und 10 Minuten später sind wir im Ressort. In die Anlage verliebe ich mich quasi sofort, vom Bungalow (mit eigener Außendusche!) Blick aufs Meer und die Inselchen der Bucht von Krabi. Ein Infinitypool, viel Schatten, das Essen ist gut und ein paar Tage Erholung sind gewiss.

Bis uns Abends der 'Manager' mitteilt, wir müssen morgen ausziehen, da kein Bungalow mehr frei ist. Da die normalen Verhaltensweisen, mit denen gewöhnlich in Deutschland auf solche Situationen reagiert wird, hier sinnlos sind, sagen wir nur, wir wollen bleiben und was man da tun kann. Kurze Zeit später ist eine Ersatzunterkunft für eine Nacht organisiert, danach mal gucken. Die Kröte müssen wir wohl schlucken. Mit dem Wissen, dass dies vielleicht meine einzige Dusche im Freien ist, genieße ich diese im dunklen bei Mondschein. Wow.

Wieder ein Tag, an dem ich eigentlich kaum was gemacht habe aber dennoch fertig bin. Ist wohl das Klima...

Da fällt mir ein, Ich wollte ja auch schon ne Weile was über die Tierwelt hier in der Andamanischen See schreiben. Ich habe keine Ahnung, wie intakt oder kaputt sie ist. Aber ich habe so viele verschiedene auffallende Tierarten gesehen um den Eindruck zu gewinnen, dass zumindest vieles noch vorhanden ist. Das Schauspiel beginnt täglich am Morgen. Der Tag wird von den Vögeln begrüßt, den unterschiedlichen Geräuschen nach von diversen Arten. Es folgen die Grillen, Froscharten und und und. Den ganzen Tag und auch die ganze Nacht sind die Geräusche der Natur die intensivste Geräuschemission, sobald man sich von den Partyzonen entfernt. Zum Sonnenuntergang gehts dann richtig los. Die Tagaktiven geben nochmal alles und die Nachtaktiven künden lautstark von ihrer nunmehr aktiv vorhandenen Präsenz. Das ist für mich als Großstädter so neu, so schön und zugleich so normal, so, ... ja, natürlich. - Mann, sind wir weit weg davon.
Zu sehen sind beim rumfahren ständig Seeadler, immer wieder Affen, sxhwarze und weiße Reiher, bei Dunkelheit Flughunde (zB beim nächtlichen Rollern, als'n Batman zwischen mir und Christian hindurchflog) und immer wieder etliche Vogelarten. Da kommt Mensch einfach natürlich runter, wird entspannt, relaxed. Allein schon die Tierwelt, die Vielfalt ist so anders als in Europa. Ich verstehe inzwischen die Leute, die schon vor 20 Jahren von Asien geschwärmt haben. Auch wenn ich denen nicht begegnen will, weil die meist nur über das verlorene Paradies labern. Einige Male auf der bisherigen Reise so geschehen. 
Also: ich finds toll so wie ichs vorfind.

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Den nächsten Morgen beginne ich natürlich mit einer Dusche. Dann zum Manager, alles ist geklärt, nach der einen Nacht 'auswärts' können wir einen Bungalow für die nächste Zeit haben, allerdings nur Ventilator, keine AirCon. Dafür aber günstiger, wir können also länger bleiben. Jut. Also wieder Rucksack packen (der hat inzwischen ein neues Packsystem, alles was nicht benötigt wird nach unten - also ca 2/3 dessen, was ich rumschleppe - der Rest von oben leicht erreichbar), aber nur an der Rezeption abgeben und 'mit Handgepäck' in den Tag. Insel erkunden. Rollerfahren!

Der erste Eindruck bestätigt, im verschlafenen, ruhigen Thailand angekommen zu sein. Kaum Touristen außerhalb der Ressorts (davon gibt es einige und meist ziemlich hochpreisig, aber auch abgefahrene 113 qm-Bungalows mit Stelzenterrasse direkt am bzw überm Meer!), wenig bis gar kein Autoverkehr (und wenn dann Pickups, um Touris zu befördern), die Insel fährt Roller. Echt. Angefangen im Alter von ca. 6 oder 7 Jahren. Wirklich. Noch extremer als auf Koh Samed. Kleine verschleierte Mädchen aufm Roller den Waldweg von der Schule zum elterlichen Haus entlang).
So macht das Ganze ja noch mehr Spaß. Der Straßenzustand der Hauptstraße, die die Insel von oben nach unten durchzieht, läßt eine Geschwindigkeit von 50 kmh zu, Helm muß nich', weil Insel (außer Phuket, aber das ist ja schon fast keine Insel mehr), und Gas.

Nach einem Tag kreuz und quer über fast die gesamte Insel ist mir klar, warum hier jeder so früh wie möglich Roller fahren lernt. Die Entfernungen sind doch recht groß, an ein öffentliches Transportsystem ist nicht zu denken, läßt schon der Zustand der Straßen nicht zu, also was bleibt ihnen übrig?

Außerdem ist die Anpreisung der Strände vielleicht ein wenig großzügig, denn bis auf einige wenige Kleinere sind diese nur bei Ebbe vorhanden. Ebbe ist zur Zeit nachts.

Die üblichen Probleme mit dem Tourismus wurden - wie ich finde - genial gelöst. Durch das Alkoholverbot, das außerhalb aller Ressorts gilt, sind die Leute in den Anlagen, die Bevölkerung ist mehr oder weniger über die ganze Länge der Insel verstreut, ich bin im islamischen Teil Thailands angekommen.

Ich finds sauberer, auch schon auf Lanta, aber hier noch deutlicher.
Die Menschen lächeln mich wirklich ständig an, wenn ich an ihnen vorbeirolle. Da kann ich nur zurück-.. hm, ...-grinsen, denn lächeln heißt Mund auf und Insekten rein.Touris sind also noch nicht alltäglich. Schön.

Ich muss es nochmal sagen: die Geräuschkulisse abends auf der Terrasse, zB beim bloggen, ist der Hammer, an- und abschwellend, wie das Meeresrauschen, vielstimmig, sowas von geil....

Also mir gefällts hier. Aber leider nix mit baden, wie so oft schon.

Zumindest kann von hier aus ein Tagestrip zu den Inseln vor Phang Nga und die dortige Bucht gestartet werden. Und vielleicht mal Quad fahren, auch ohne Schlamm weil Trockenzeit und Winter (ach ja, hier ist ja Winter, kicher).

Schön, hier zu sein.