Samstag, 31. Januar 2015

Into the wild

Nachdem alle bisherigen Versuche, mal von der Zivilisation weg zu kommen, nicht so richtig geklappt haben, versuchen wir es jetzt im Khao Sok, dem wohl ältesten ursprünglichen Regenwald der Erde. Um weite Teile zugänglich zu machen, haben die Thais einen Staudamm (der ist aus Lehm) gebaut und dadurch ist ein riesiger See entstanden  der Chiang Lan. Ein Teil des Sees wurde für den Tourismus freigegeben. Dort tuckern die Longtails an den Ufern entlang, auf der Suche nach wilden Tieren, die stolz präsentiert werden. Auf diese Art, den Wald zu erkunden, haben wir uns eingelassen, zwei Tage mit Übernachtung und Vollverpflegung (klar, 'n Spätie gibt's da nicht). Also morgens die Unterkunft räumen (man zahlt hier im Khao Sok nicht für ein Zimmer, das nicht genutzt wird, sondern stellt den Rucksack in einen verschlossenen Raum und entscheidet nach Rückkehr, ob man bleibt), die nächste Unterkunft ist ja schon gebucht und um neun geht's los, mit'm Minivan, der uns und 12 andere Bewohner der Anlage abholt. Gemischte europäische Gruppe, ein Berliner, zwei Bayern, zwei Däninnen, Engländer, Franzosen und ein Thai, der - wie er selbst sagt - als Tourist unterwegs ist.

Der Fahrer, der zugleich unser Tourführer sein wird, macht einen sympathischen Eindruck und spricht ein gutes englisch. Noch sympathischer macht ihn, dass er bei einem Zwischenstopp seine zwei kleinen ca. 2 und 5jährigen Töchter in den Bus holt, die die Tour was den Bootsteil betrifft, mitmachen. Das war ne lustige Situation, weil alle im Bus guckten, wie er nacheinander beide Mädchen in den Bus auf den Beifahrersitz hob und beiden nacheinander an einem Haltegriff an der A-Säule den Kopf stieß. Beim zweiten mal lachte der halbe Bus.

Mit dem Van zunächst 'ne Stunde oder länger (habe meist geschlafen) bis zum Hauptpier des Chiang Lan. Dort rauf aufs Boot und erstmal eine ganze Weile über den See, immer vorbei an in der Ferne oder der Nähe hochaufragenden Kalksteinfelsen. Die haben wir in den letzten Tagen ja schon häufig gesehen und es erzeugt bei mir schon ein ungewohntes Gefühl, die Vorstellung, über Täler zu fahren, denn nichts anderes ist der See, überflutete Täler. An den Ufern oder in deren Nähe stehen an vielen Stelle Baumskelette, ragen aus dem Wasser heraus. Diese Landschaft so völlig frei zu sehen macht Spaß. Einfach nur 'wow'.

Übrigens ist dies der feuchteste Ort in Thailand, wie wir noch erfahren werden. Solange die Sonne nicht scheint, trocknet hier nichts.

Nachdem wir ungefähr eineinhalb Stunden mit dem Longtail den See entlanggefahren sind und ich gefühlt so viele abgefahrenen Gesteinsformationen gesehen habe, wie in der ganzen Zeit zuvor, fahren wir in eine kleine Bucht. Dort schwimmen vor einer Landzunge wie an der Kette aufgereiht kleine durch einen ebenfalls schwimmenden Steg miteinander verbundene Bambushütten. Da ziehen wir jetzt für ca 24 Stunden ein. Geil. Also raus aus'm Boot, das Tagesgepäck in die Hütte, ne entspannte Kippe rauchen und erstmal ab ins Wasser. Dann zum zentralen Punkt der Anlage, dem Restaurant/Bar/Gammel/Quatschplatz, denn es gibt Mittagessen. Weiter, wird uns erklärt, geht es heute zunächst mit einem walk einem Flußbett aufwärts folgend zu einer Cave. Dort wird es nass, außerdem wird unbedingt festes Schuhwerk benötigt. Endlich! Die Aigerschuhe kommen zum Einsatz, nachdem ich den überwiegende Teil der Zeit mit Flip Flops unterwegs bin. Okay, ich bin gewappnet.

Dachte ich. Die Strandtasche konnte ich im Boot lassen, also mit Badehose, Shorts, Tshirt, Strümpfen und Schuhen bekleidet los, dem Guide folgend, der uns im vorbeigehen einiges erklärte, auf Kleintiere aufmerksam machte und immer wieder durch den Fluß, der jetzt in der Trockenzeit nicht viel Wasser führte. Anfangs versuchten wir noch, über Steine oder Baumstämme balancierend trocken rüber zu kommen. Aber irgendwann ging es nicht mehr und das Ganze machte einen Riesenspaß. Also bereits mit nassen Füßen kamen wir am Eingang der Cave an. Da es drinnen dunkel ist, werden Helmlampen verteilt und schon geht's wieder rein ins Wasser, bis zu den Unterschenkeln, vorbei an bzw unter Fledermäusen, dann bis zu den Knien. Nachdem wir so eine Zeit lang dem unterirdischen Flußbett gefolgt sind (dat geht nicht, wenn's regnet!), stoppt der Guide und sagt, wir sollen alle wasserempfindlichen Gegenstände wasserdicht verstauen. Da ich mir zu diesem Zeitpunkt bereits Gedanken um mein Handy und den Tabak machte, nahm ich das Angebot gern an.

Und dann ging's richtig rein ins Wasser, bis zur Hüfte, knapp darüber. Wie gesagt, wir sind in einem Flußlauf, der bei Regen vollständig mit Wasser gefüllt ist. Und das Gestein ist unterschiedlich ausgewaschen. Wenn man Glück hat und höhere Stellen mit den Füßen trifft, geht's nicht so tief runter. Direkt daneben ...

Schließlich kamen wir an eine schmale Stelle, bei der alle bis zum Hals ins Wasser mussten. Daß das kalt war, spielte eh keine Rolle. Es war einfach nur geil, irre, unerwartet. Kurz danach waren wir am Ende, der Höhle und manche auch der Kräfte. Die wasserdicht verpackten Utensilien wurden wieder verteilt und ich qualmt patschnass eine trockene Zigarette. Zum Schluß den Weg zurück zum geparkten Boot, dabei passierte mir dann das erste Mißgeschick der Reise, aber nur 'n bißchen das Schienbein abgeschürft, und entspannt mit dem Boot zurück zum Camp.

Die Kleidung wurde dann übrigens nicht mehr trocken und ich lief den Rest des Tages nur noch in Badehose rum. Am nächsten wars eh egal, wie man ohnehin ständig nass war.

Abends machten wir dann noch eine sog. 'Nightsafari', meint, mit dem Boot wie auch sonst an den Küsten entlang, nur mit'm Suchscheinwerfer. Haben wir dann auch irgend eine fliegende Echsenart, ne Eule und einige Hornvögel gesehen. Die sind wohl selten, hier nicht so. Schließlich gab's noch Abendessen, habe mich an den gebratenen Fisch rangetraut und war lecker. Abhängen vor der Hütte, bei Licht! (hatte allerdings widerum den Nachteil des Generatorkrachs, der hinter den Hütten an Land stand)

Jedenfalls bin ich schnell erschöpft und glücklich eingeschlafen.

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Morgens wecken um halb sieben, zum 'morning mist' Bootsausflug. Ohne Frühstück, das gibts danach.
Mysterytour, die Berge nebelverhangen, Wolken am Himmel, teilweise kommt die Sonne durch und nach der nächsten Biegung kommen wieder neue unglaubliche Bilder. Nur 'n bißchen frisch, so mit nassen Klamotten. Und wieder sehen wir die Hornvögel, diesmal wie sie von ihren Schlafplätzen aufbrechen. Schön. Erhaben.

Dann endlich Frühstück, immerhin, 'n Pancake, frisches Obst und Honig dazu, etwas was wie Kaffee aussieht getrunken, und noch ein wenig relaxt,  bevor die Hütten geräumt werden müssen. Schade, echt ein schöner Ort.

Wir fahren dann noch eine Weile den See entlang und landen schließlich an einer kleinen Bucht, von der aus noch ein Treckingausflug startet. Dabei geht's anspruchsvoll den Berg rauf und an anderer Stelle wieder runter. Wir sehen Termitenbauten, Hornissennester, die bisher größte Ameise, die ich je gesehen habe, Bärenspuren und laufen durch die wild wuchernde Natur. Macht schweißtreibend Spaß.

Der schließlich sein Ende findet, wir ins Boot steigen und kurz zu einem anderen schwimmenden Camp gebracht werden, wo nochmal Nahrungsaufnahme angesagt ist. Danach zurück zum Pier. Und damit sich jeder an die Tour erinnert ... oder auch nur, weil Wind von vorne weht ... werden wir alle noch gründlich durchnässt. Scheißegal.

Vom Pier aus geht's zurück zum (bisherigen) Ressort, Rucksack holen und die 1,5 km zu 'Art's Riverview Lodge' laufen. Dort die Nachricht, wir bekämen ein Upgrade und einen größeren Bungalow. Aber was sollen wir mit einem Bungalow, in dem drei Betten stehen und der ein wenig an einen Schlafsaal erinnert?  Klar, in dem von uns bereits gemieteten und bezahlten ist ne Thaifamilie. Darüber ist morgen zu reden. Aber nicht mehr heute. Bungalow Schlüssel geschnappt, rein und unter den 'waterfallshower'. Na ja, ist Trockenzeit, da führt kein Fluss viel Wasser. Aber kalt und ausreichend, um nass zu werden. Schon wieder.

Abends von der Terrasse des Restaurants der Anlage den Affen beim spielen zugeguckt. Während wir beim essen waren, kletterte ein Affe im Dachgebälk herum und pisste auf den Boden, knapp 1,5 m von uns entfernt. Jut so! Und zur Klarstellung: die werden nicht von der Anlage gehalten, es gibt hier nur keine natürlichen Feinde mehr. Die sind auch nicht zutraulich und lassen sich nicht streicheln. Man lebt in Koexistenz, was für die Anlage natürlich ne Attraktion ist, klar.

Letztlich wieder müde aber glücklich ins Bett.

Zwei absolut tolle Tage.