... und erneut hat ein Ort so viel faszinierendes für mich, dass der Aufenthalt eben verlängert wird. Eigentlich müssen wir morgen, am Samstag aus dem Bungalow raus, ist wohl belegt. Mal gucken, wird schon was gehen, denn entgegen meines ersten Eindrucks ist es vielleicht doch ein sehr guter Ort, um zu schlafen und den Tag zu beginnen. Die Anlage ist nach Südosten ausgerichtet und so ab acht Uhr scheint die Sonne in den Bungalow und auf dessen Terrasse und im Restaurant (teil offene, teils überdachte Terrasse) ist es bis halb zehn schattig. Und es ist - abgesehen von den Longtailbooten, die fast überall an den Stränden laut knatternd Taxi spielen, Ware zu den Beaches und Buchten transportieren, zu einem privaten Turn angemietet werden können- echt ruhig und der Ausblick ist der Hammer. Also gern noch ein, zwei Nächte.
Allerdings hat die Abgeschiedenheit der Anlage auch Nachteile. Ein wesentlicher ist die Netzverbindung, egal ob Daten oder Telefon, Wifi oder was auch immer. Es bricht ständig zusammen und mehr als ein bißchen WhatsApp ist nicht drin. Dem Stromnetz ergeht es übrigens ähnlich. Ca. alle 15 - 30 Minuten gibt's kürzere oder längere Aussetzer. Na klar, die AirCon und die Kühlschränke fressen Strom ohne Ende, hier ist eben immer alles nicht so richtig auf die Masse der Menschen, die das ebenso wie ich erleben möchten, ausgerichtet.
Daher heute mit dem Longtailboat zum Tonsai Pier und in ein Café mit funktionierendem WLAN. Außerdem soll ja neben diesen Worten auch was zum angucken ins Netz und da wird's schwierig mit der Dataflat. Und es hat schon was, nach dem Frühstück den Weg und die Treppen zum Strand runterzulaufen, ein Watertaxi zu ordern und dann über einen echt alten und beanspruchten Pier oder direkt am Strand in das Boot reinzuklettern und die Fahrt über vorne am Bug zu sitzen. Sonne im Nacken die Küste entlang, Fahrtwind, türkisfarbenes Wasser, der knatternd Diesel ... megaentspannend ... grins ...
Nachdem die Netzverbindung in Tonsai definitiv besser funktioniert und weil wir schon mal da sind, liegen wir noch 'n paar Stündchen faul am Ao Lo Dalam zunächst im Schatten und dann in der Sonne rum und entscheiden irgendwann, zum ViewPoint zu gehen denn es soll von dort einen tollen Blick auf den Isthmus und den weitgehend touristisch nicht nutzbaren Ko Nok genannten Teil der Insel geben (wir leben auf dem größeren, Ko Nai genannten Teil). An dieser Stelle vielleicht mal ein Wort zum Sand an den Stränden. Kennt ihr das Gefühl, mit nackten Füßen durch Mehl zu gleiten, das zwischen den Zehen durchquillt und einfach nur superweich und sanft ist? So nämlich isses.
Also auf Höhe NN 0 los und hoch auf ca. 180 m, nicht ahnend wie die bewältigt werden müssen. Nämlich durch Treppen, richtig steilen, richtig langen Treppen, den Berg der Steigung folgend auf direktem Weg rauf. Als die endlich geschafft waren, ging's weiter mit Wegen, die nicht so steil wie die Treppen aber dafür umso länger immer bergauf führten. Es war die Hölle. Ich kam zu 100 % durchgeschwitzt und völlig fertig oben an. Christian war schneller als ich, hat dann aber länger nachgeschwitzt..
Nachdem oben angekommen die Aufmerksamkeit allmählich von der Konzentration auf die Selbsterhaltung wieder der Umwelt zugewandt werden konnte war sofort klar, dass es die Anstrengung wert ist. Ein mal! Oder vielleicht ....
Das Bild, der Blick mit dem ich belohnt wurde, ist eigentlich nicht zu beschreiben. Fantastisch.
Dabei zugleich die Gedanken dass aus dieser Optik völlig klar ist, warum der Ort so beliebt ist und warum der Tsunami alles mitreißen konnte bzw. musste. Wir bleiben, bis die Sonne hinter den Felsen von Ko Nok verschwunden ist. Auch hier oben sind wir umgeben von recht vielen Menschen und es ist friedlich und unaufdringlich. Sehr angenehme Stimmung. Und sauber, dafür habe ich die 30 Bath 'Eintritt' dann gerne gezahlt.
Denn das mit dem Müll bzw. der Entsorgung ist wirklich ein Problem. Recht sauber sind meist die Ressorts. Bis auf den Bereich, wo die eben ihren Müll entsorgen. Fällt bei großzügig angelegten Ressorts wie dem unsrigen erstmal nicht auf. Aber wenn ich abseits der angelegten Wege rumlaufe, sehe ich immer wieder Müllecken. Da sind dann auch Ratten. Und Schlangen. Und Mücken. Und die großen Kakerlaken, denen wir in unseren Zimmern bisher noch überhaupt nicht begegnet sind. Und je enger es wird, umso versteckter wird gelagert. Und umso mehr Leben, dem wir nicht begegnen wollen, ist um uns herum. Nee, ein bißchen Luxus ist schon okay.
Nun, jedenfalls sind wir irgendwann wieder den Berg runter (der Weg rauf ist übrigens zugleich die ausgeschilderte Tsunamirettungsroute und die meisten der Schilder sind lesbar), haben auf halbem Weg gut gegessen und uns schließlich bei Dunkelheit mit dem Longtailboat zu unserer Bucht fahren lassen. Einfach schön.
Ach, übrigens: in unserer Ecke der Insel sind wiederholt Hinweisschilder auf Affen und die damit verbundene mögliche Infektionsgefahr zu sehen. Ich dachte zunächst 'na klar, erzählt mal'. Bis heute morgen. Da taucht vor der Terrasse wirklich einer auf, will klauen und wird von den Angestellten der Anlage vertrieben. Also: es gibt tatsächlich freilebende Affen auf Koh Phi Phi. Cool.